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Kristallarthropathien

Definition

Die Gicht und Pseudogicht gehören zu den Stoffwechselerkrankungen. Charakteristisch ist die Reizung der Gelenkinnenhaut durch Kristalle, die aufgrund des gestörten Metabolismus nicht mehr genügend aus dem Körper ausgeschieden werden können.

 

Entstehung

Auch Störungen anderer Stoffwechselwege können Gelenkentzündungen verursachen (wie etwa Hämochromatose, Alkaptonurie). Unterschieden werden zum einen die Ausscheidungsschwäche für Harnsäure (häufigste Form) und andererseits die Gicht, die durch eine eingeschränkte Nierenfunktion, Tumore (Zellzerfall) oder auch Medikamente ausgelöst werden kann. In den industrialisierten Ländern sind Männer mit zunehmendem Alter deutlich häufiger betroffen als Frauen.

 

Das infizierte Gelenk

Die wichtigste Differenzialdiagnose ist das infizierte Gelenk (septische Arthritis).

 

Beschwerden

Bei einem akuten Gichtanfall hat der Betroffene heftigste Schmerzen, in vielen Fällen am Grosszehengrundgelenk. Andere Lokalisationen am Bewegungsystem sind jedoch ebenfalls möglich. Allgemeinsymptome, wie Fieber, können auftreten. Ein Sonderfall ist die tophöse Gicht, wobei Harnsäurekristalle als Knoten tastbar sind und nach aussen penetrieren können.

 

Wie weiter?

Die Diagnose wird durch die klinische Untersuchung, das Bestimmen von Entzündungsparametern im Blut und durch bildgebende Verfahren (Ultraschall) gestellt. Eine Gelenkpunktion mit dem Nachweis von Harnsäurekristallen kann beweisend sein, ist jedoch nicht immer zwingend erforderlich. Der Harnsäurespiegel im Blut ist nach einem akuten Gichtanfall häufig im Normalbereich.

 

Behandlung

Die Therapie des akuten Gichtanfalls erfolgt durch nichtsteroidale Antirheumatika und Kortison. Colchicin kann ebenfalls eingesetzt werden. Lokale Kälte lindert die Beschwerdesymptomatik. Neuere Medikamente, wie Interleukin 1-Antagonisten, sind sehr effektiv, jedoch in der Schweiz für diese Erkrankung (noch) nicht zugelassen.

 

Harnsäure

Behandelt wird die chronische Gicht mit nicht-medikamentöse Massnahmen, wie eine entsprechende Diät, bestimmte Medikamente, die auch bei Bluthochdruck eingesetzt werden sowie Medikamente, die Harnsäurebildung reduzieren bzw. die Harnsäure-Ausscheidung fördern. Als Kontrollwert für die Effektivität der Therapie dient (neben einem möglichst zu vermeidenden erneuten akuten Gichtanfall) der Harnsäurespiegel im Blut.

 

Vorbeugung

Empfohlen wird, täglich mindestens 2 Liter Flüssigkeit zu trinken, mögliches Übergewicht zu reduzieren, den Blutdruck zu normalisieren, viel Vitamin C zu sich zu nehmen, wenig Fleisch zu essen und spärlich Alkohol zu trinken, auf Softdrinks möglichst zu verzichten und viel (purinarmes) Gemüse und Milchprodukte zu sich zu nehmen.

 

Andere Kristallerkrankungen

Die Pseudogicht wird durch andere Kristalle (Kalziumpyrophosphat) hervorgerufen. Sie ist eine Erkrankung im höheren Lebensalter. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Sie kann mehrere Gelenke gleichzeitig oder alternierend befallen. Ein akuter Pseudogicht-Anfall ist einem «echten» Gichtanfall sehr ähnlich. Im Ultraschall kann man die Kalziumpyrophosphatkristalle im Gelenkknorpel erkennen. Medikamentös werden nicht-steroidale Antirheumatika eingesetzt.